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Ein Weg zu den Arbeiten Andrei Krioukovs ‚Einweg – Realismus’
Das Leben in einer Zeit, in der der Werteverfall an Schnelligkeit immer mehr zunimmt, malt Andrei Krioukov auf dem Grat zwischen fotorealistischer und abstrahierender Art und Weise Dinge des Alltags, die ansonsten nach erfüllter Funktion – etwas umhüllt, verpackt zu haben, in dem komplizierten Abfallsystem ihr Gebrauchtsein beenden. Viele Gemälde existieren ohne die Menschen zu zeigen, die dahinter stehen. Stillleben als Spiegelbilder ihrer Zeit: das waren diese stummen Versammlungen unterschiedlichster Dinge schon immer. Neu sind die starken Farben, die Krioukov verwendet, neu ist auch die Art und Weise der Anordnung. In einigen Bildern scheinen die dargestellten Objekte im Nichts zu schweben; sie lassen meist ein tragendes Element vermissen, so wie in der heutigen Zeit Tischkultur oft ein Fremdwort zu sein scheint. So erscheinen Tische als Plattform für das Stelldichein der Flaschen, Tüten, Dosen etc. höchstens angeschnitten, erahnbar, aber nicht im Sinne einer Tafel. Geht man mit offenen Augen durch eine Stadt, so finden sich die unterschiedlichsten Abfälle des Lebens an unerwarteten Orten. Krioukov malt Bierdosen in einer Mauernische in einer Deutlichkeit, dass sie ergreifbar scheinen, trompe l’oeil im Sinne der Augentäuschung, Sinnestäuschung. Wenige Kompositionen zitieren die Kreaturen, mal ein Hund oder eine Katze, mal eine Frau als Akt und angeschnitten, entblößt, hier und da mit ikonographischen Konnotationen, man liest als Bildtitel ‚Maria’ oder denkt an ‚Eva’, wenn die gemalte Figur einen Apfel in der Hand hält. Oder ein kleines Mädchen steht neben einem gelben Sack, der übervoll ist und so weiß das Mädchen nicht wohin mit ihrem Einwegbecher, der sich bei genauem Hinsehen deutlich erkennen lässt. Realismus in der Kunst hat eine lange Geschichte; und er kehrt als Interpretationsform immer wieder, immer dann, wenn die Wirklichkeit eine wahre Abbildung verlangt. Die gemalten Objekte zeigen bisweilen porträthafte Züge, an anderer Stelle verschwimmen sie zu einer Landschaft, in der zu leben, in der zu existieren nicht attraktiv erscheint. Die perfekt gemalten und atmosphärisch inspirierenden Bilder des Künstlers sprechen eine ganz eigene Sprache, und sind dennoch eingebettet in den kunsthistorischen Kontext. Die Protagonisten des ‚Ein Weg Realismus’ als Spiegelbild des hier und heute erhalten durch das Auge und die Hand des Künstlers ein Denkmal … für die Ewigkeit.
Kassel, im Februar 2009 Dr. Ellen Markgraf, Kunsthistorikerin
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